Das Ding mit den Einheiten

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Im Metrischen nimmt ein Milliliter Wasser einen Kubikzentimeter ein, wiegt ein Gramm und erfordert eine Kalorie Energie um sich um einen Grad Celsius, was einem Prozent der Differenz zwischen seinem Gefrierpunkt und seinem Siedepunkt beträgt, zu erwärmen. […] Während im amerikanischen System, die Antwort auf „Wie viel Energie braucht man bei Raumtemperatur um eine Gallone Wasser zu kochen?“ „F… dich ins Knie“ lautet, weil man diese Mengen einfach nicht direkt aufeinander beziehen kann.

Josh Bazell – Wild Thing

Das imperiale System (bin ich eigentlich der Einzige der dabei die Melodie von Darth Vader im Ohr hat? | Hashtag: NerdAlarm). Wieder etwas womit Amerika sich von dem Rest der Welt abhebt. Während Großbritannien sich – als Mitglied der EU – nach und nach davon verabschiedet hat und kontinuierlich das metrische System einführt, halten die USA an dem, für unser Verständnis, sinnlosen System fest.

Das metrische System ist logisch. Der Meter ist der Ausgangspunkt. Er unterteilt sich in 100 Zentimeter. 1000 Meter bilden einen Kilometer. Und so weiter. Das sind unterschiedliche Einheiten, die voneinander abhängig sind und sich dadurch logisch und dezimal berechnen lassen.
Im imperialen System ist das alles anders. Hier gibt es keine voneinander abhängigen Einheiten. Meilen, Yards, Foot (oder Feet), Inches haben nichts miteinander zu tun. Es scheint als wurden sie willkürlich zusammengewürfelt.

Entfernungen und Längen

Zuerst muss man wissen: 1 Meile sind nicht 1000 Yards. Will man kleinere Entfernungen beschreiben muss man sich mit Brüchen behelfen: 1/4 Meile, 6/10 Meilen oder sogar 6/8 Meilen. Nichts für jemanden der schon in der Schule mit der Bruchrechnung auf Kriegsfuß stand.
Und die amerikanischen Navis sind unbarmherzig. Versucht man während der Autofahrt schnell im Kopf die gebrochenen Meilen in Metern umzurechnen ist man verloren: „Sechsachtel Meilen??? Sekunde….also eine Meile ist nach Abrunden 1600 Meter. Das jetzt mal sechs und dann durch acht…das sind 6000 … 9600 durch acht! Mist! Ausfahrt verpasst!“
Und nicht einmal der Gebrauch der Einheiten scheint logisch. Während wir Europäer Meter zur Angabe für Längen UND Höhen verwendet, sind hier in Amerika als Höhenangabe ausschließlich Feet (Fuß) und Inches (Zoll) erlaubt. Yards und Meilen sind der Länge vorbehalten. Aber nicht so voreilig, um es noch komplizierter zu machen benutzen wir aber trotzdem noch Fuß und Zoll.
Also spricht man bei der Länge eines Footballfeldes von Yards. Sonst aber doch lieber von Fuß.
Zur Vollständigkeit sollte ich aber erwähnen, dass es doch einen Zusammenhang, wenn auch krumm, in der Berechnung, bei den Längenmaßen gibt:
Der Inch – das kleinste Maß ist der Ausgangspunkt. Zwölf Inches ergeben einen Foot. Drei Feet summieren sich auf einen Yard und 1760 Yards sind dann schließlich eine Meile. Logisch!
Da der Inch satten 2,54 cm entspricht und wir keine Milli-Inches kennen behelfen wir uns also wieder mit der guten alten Bruchrechnung.

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Flüssigkeiten

Bei den Volumeneinheiten hat man sich ein ähnliches Konzept ausgedacht.

Im Alltag finden wir hier zwei Formen vor: Die Gallone fürs gröbere und die Fluid Ounce fürs feinere. Als Faustregel gilt: Alles was kleiner als eine Gallone ist, wird in Fluid Ounces (fl.oz) angegeben. Getankt wird in Gallonen. Eine Gallone entspricht knapp 3,8 Liter. In diesen Mengen kaufen wir auch die Milch. Die Cola in der Fast-Food-Kette wird in Fluid Ounces abgefüllt.
Habe ich zwei gesagt? Auch das stimmt wieder nicht ganz. Das Bier im Pub bestellen wir in Pints. Und in der Küche behelfen wir uns zudem mit Quarts und Cups. Ich verzichte auf die genauen Mengenangaben. Am Ende dieses Beitrages habt ihr eh wieder alles vergessen.

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Um das chaotische Prinzip abzurunden wird der Hubraum von Autos dann aber doch lieber in Litern angegeben.

Gewicht

Wie sollte es anders sein auch das Gewicht wird hier nach guter amerikanischer Art definiert.
Als Ausgangseinheit legt man hier Pfund (Abgekürzt mit lbs – vom lateinischen Wort Libra) zugrunde. Ich weiß nicht, ob den Erfindern dann die Namen oder einfach nur die Lust ausging aber darüber hinaus greift man dann wieder auf Cups und Ounces zurück. Wie der gewiefte Leser vielleicht bereits vermutet, hat die Ounce keinerlei logischen Zusammenhang mit der liquid Ounce.

Die Einteilung der Gewichte ist wie folgt: 1 Pound = 16 oz. = 453 Gramm, wonach ein Quarterpounder bei McDonalds 113,25 Gramm wiegt. Und nicht selten sieht man auf der Straße (weniger) oder bei Walmart (öfter) Personen, die nach übermäßigem Quarterpounder-Verzehr bis zu 500 pounds Lebendgewicht auf die Waage bringen, was wiederum dem Viertel einer amerikanischen Tonne entsprechen, die logischerweise nicht aus 1.000, sondern aus 2.000 pounds besteht und nicht mit der europäischen Tonne verwechselt werden sollte, da die europäische Ausgabe der Tonne um 93 kg schwerer ist.

no-tapirs-in-tulsa.blogspot.com

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Temperaturen

Als Anders Celsius seine Temperaturskala entwarf, nahm er den Gefrierpunkt und den Siedepunkt des Wassers und definierte mit Hilfe einer Quecksilbersäule die Fixpunkte als 0 Grad und 100 Grad.
Daniel Gabriel Fahrenheit war das wohl zu simpel. Er legte drei Punkte fest. Als 0 Grad definierte er den Gefrierpunkt eines Gemisches aus Eis, Wasser, Salmiak und Meersalz (Keine Ahnung, wie er ausgerechnet auf dieses Gemisch kam). Als obere Grenze nutzte er die Körpertemperatur des Menschen und entschied sich für 96 Grad Fahrenheit. Als dritten Fixpunkt nahm er den Gefrierpunkt von reinem Wasser und bestimmte ihn willkürlich als 32 Grad Fahrenheit.
Leider stellte sich mit der Zeit heraus, dass seine Messungen nicht nur ungenau sondern auch fehlerhaft waren. Die tatsächliche Körpertemperatur liegt bei 98,6 Grad Fahrenheit. Knapp 100 Jahre später musste seine Skala korrigiert werden.

Wer Fahrenheit in Celsius umrechnen möchte kann das grob mit der folgenden Formel tun:

(F-30) : 2 = C

Diese Formel ist zwar auch fehlerhaft und um zwei bis drei Grad Celsius ungenau, aber unterwegs praktischer als die korrekte Formel:

(F-32) * 5/9 = C

Wer schon mit dem Umrechnen von Meilenbrüchen ausgelastet ist, muss sich ja nicht noch mit komplizierten Formeln rumärgern.

Warum gibt es in Amerika das metrische System nicht?

Gute Frage.
Schuld ist Thomas Jefferson. Einer der Gründungsväter der Vereinigten Staaten von Amerika und der erste Secretary of State. Heute bezeichnen wir dieses Amt in der amerikanischen Regierung als Außenminister. 1790 gehörten aber nicht nur außenpolitische Aufgaben in die Verantwortung dieses Amtes, sondern auch innenpolitische und damit nahm er Einfluss auf viele grundlegenden Entscheidungen, die die USA auch heute noch prägen, wie z.B. die Schaffung der ersten einheitlichen und bis heute offiziellen Währung des Landes, dem US Dollar.
Eine weitere historische Aufgabe war die Einführung der Maßeinheiten.
Das metrische System war ihm einfach zu französisch. Die französische Nationalversammlung definierte den Meter Ende des 18. Jahrhunderts als neue Norm. Aber hier in Amerika war man der Meinung ein französisches Maß sollte auch nur im französischen Staatsgebiet angewendet werden. Zudem stürzte die französische Revolution kurze Zeit später den König und seine Regierung.
Die Welt erlebte das Ende des Königreiches Frankreich und Jefferson und seine politischen Zeitgenossen sahen mit ihm den Untergang des metrischen Systems.
Nach Beratung mit John Quincy Adams entschied er sich für das imperiale System und setzte damit auf das falsche Pferd. In Europa verbreitete sich das metrische System, von dort aus verbreitete es sich in die Kolonien und wurde in den meisten Teilen der Welt zur Norm.

Warum schaffen die USA das unpraktische imperiale System nicht einfach ab?

Die Antwort ist ganz einfach: Die Amerikaner wollen es nicht. Für sie macht der Wechsel keinen Sinn. Ein Wechsel wäre teuer und aufwendig. Gewinn und Nutzen sind für sie zu gering und das Ziel zu puristisch.

Ist globale Einheitlichkeit eine gute Sache? Nicht, wenn es um kulturelle Fragen geht, und übliche Maßnahmen sind sicherlich ein Teil unserer amerikanischen Kultur. Aber unsere Gehirne in den Dritteln, Vierteln, Sechsteln, Achteln und Zwölfteln von Zoll und Unzen sowie den unnachgiebigen Dezimalstellen des metrischen Systems zu trainieren kann nur von Vorteil sein, in der gleichen Weise, wie eine zweite Sprache zu lernen besser ist als nur eine zu kennen. Dass unser Land ein Dual-Maß-Land ist ist Teil unserer großen Vielfalt.

John Bemelmans Marciano Amerikanischer Autor und Journalist (http://time.com/3633514/why-wont-america-go-metric/)

Die USA sind aber metrischer als man denkt. Angetrieben durch Ex- und Import und die Globalisierung lebt Amerika heute mit zwei Systemen. Schauen wir bei Walmart in die Regale sehen wir auf den Packungen imperiale und metrische Mengeneinheiten. Hinter den Kulissen ist für Industrie und Handel das metrische System schon längst der wirkliche Standard.

Am Ende hieß es für uns ein Gefühl für die befremdlichen Maßeinheiten zu entwickeln. Ständig umzurechnen ist kompliziert und macht auch irgendwie keinen Sinn.
Manche Sachen lernt man am besten einfach auswendig.
Ich bin 6’3 groß und wiege 225 lbs (Pfund).
Bei mehr als 90 Grad F ist es heiß und bei weniger als 30 Grad F ist es kalt. Bei 0 Grad F ist es saukalt.
Angenehm ist es zwischen 73 und 83 Grad F.
Wenn mich das Navi darauf aufmerksam macht, dass die nächste Abfahrt noch eine Meile entfernt ist, habe ich noch genug Zeit zum überholen.
Und der Rest ergibt sich.

Im August 2015 wurde ich von meiner Firma in die Nähe von Chicago versetzt. Hier lebe ich jetzt zusammen mit meiner Frau Julia und unserem Schokolabrador Theo. Zusammen bloggen wir hier, um unsere Freunde und Familie zuhause auf dem Laufenden zu halten. Ich mag American Football, Basketball und Kraftsport und manchmal versuche ich meiner Kreativität mit Hilfe meiner Kamera freien Lauf zu lassen.