Memorial Day – ein Feiertag in Rot, Weiss und Blau

IMG_7565

Am letzten Montag im Mai gedenken die Vereinigten Staaten den vielen Männern und Frauen, die in den Kriegen und während ihrer Zeit im Militär starben.
Ursprünglich als Decoration Day bezeichnet, entstand der Feiertag kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg und ist seit 1971 offiziell staatlicher Feiertag. Viele ehren diesen Tag still, versammeln sich bei Gedenkfeiern und trauern, um die die sie in den militärischen Einsätzen verloren haben. Andere gehen auf die großen Paraden. Viele andere Amerikaner denken nicht an die Toten sondern feiern das Leben. Für sie ist Memorial Day der Start in den Sommer.

Die Anfänge des Memorial Days

Der Gedenktag hat einen ganz pragmatischen Ursprung. Während des Bürgerkriegs starben im Norden und Süden so viele Soldaten, dass es unmöglich wurde einzelne Begräbnisse abzuhalten. Die ersten Soldatenfriedhöfe wurden eröffnet und Zeremonien an festgelegten Tagen gefeiert.

Decoration Day

General John A. Logan ergriff wenige Jahre nach dem Bürgerkrieg die Initiative und rief nach einem nationalen Gedenktag um die Opfer auf beiden Seiten zu betrauern. Es entstand der Decoration Day. Fortan wurden Klatschomohnblüten auf den Gräbern niedergelegt und jeder Grabstein mit einer kleinen Flagge geschmückt. Jedoch breitete sich diese Tradition nur in den Nordstaaten aus. Im Süden weigerte man sich daran teilzunehmen. Bis zum Eintritt der Vereinigten Staaten in den ersten Weltkrieg.

Entwicklung zum Memorial Day

Wieder sah man sich einer militärischen Auseindersetzung gegenüber. Doch dieses Mal kämpften Norden und Süden auf derselben Seite und für dieselben Werte. Fortan galt der Memorial Day, wie der Decoration Day bereits in den meisten Teilen des Landes genannt wurde, nicht mehr nur den Gefallenen des Bürgerkrieges. Der zweite Weltkrieg ließ nicht lange auf sich warten. Der Koreakrieg und der Vietnamkrieg folgten und so wuchs die emotionale Bedeutung des Tages für die Amerikaner.

Traditionen

Viele Amerikaner ehren den Tag indem sie auf den Soldatenfriedhöfen Blumen niederlegen und Gedenkfeiern besuchen. Andere feiern laute Parties und Barbecues und läuten den Sommer ein auf den sie so lange gewartet haben.
In vielen Städten quer durchs Land werden jedes Jahr Paraden veranstaltet, an denen Soldaten und Veteranen teilnehmen. Eine der größten Paraden der USA findet in Naperville statt und so fahren auch wir an diesem Tag Downtown.
Wir sind bereits früh da und wissen auch gar nicht so recht was uns erwartet. Als wir auf die Strasse einbiegen sehen wir zahllose Menschen entlang der Paradestrecke. Fast alle tragen etwas in den Nationalfarben rot, weiss und blau oder schwenken die Amerikanische Flagge.

IMG_7442
Typisch amerikanisch – und eine Eigenart, die ich wirklich liebe – sind die Klappstühle die überall am Straßenrand ausgebreitet sind. Man mag es bequem und steht nicht gerne lange in der Gegend rum, also bringt man sich kurzerhand Stühle mit. Netter Nebeneffekt: So sieht man auch was von der Parade, wenn man in der zweiten oder dritten Reihe dahinter steht.
An der Parade nehmen auch die lokalen Highschools mit ihren Marching Bands, den Schulkapellen, teil und jede einzelne von ihnen stellt wirklich jeden Spielmannszug und jede Feuerwehrkapelle, die ich bislang gesehen habe, in den Schatten. Da sitzt jeder Schritt, jede Uniform und jeder gespielte Takt.

IMG_7643

IMG_7622

Die Veteranen, die an der Parade teilnehmen rollen in schicken Oldtimern an uns vorbei und winken der jubelnden Menge.

IMG_7522

IMG_7508

IMG_7498

IMG_7506

Über den Patriotismus der Amerikaner läßt sich mit Sicherheit streiten. Und man muss ihn nicht lieben. Aber man sollte ihn respektieren – vor allem wenn man, so wie wir jetzt, in diesem Land lebt. Wir Deutschen haben eher ein gespaltenes Verhältnis zum Patriotismus. Dabei gibt es so viel auf das wir stolz sein können und dies nicht nur zur Fußball WM oder EM. Vielleicht sollten wir uns davon eine kleine Scheibe abschneiden.

IMG_7539

IMG_7458

 

Im August 2015 wurde ich von meiner Firma in die Nähe von Chicago versetzt. Hier lebe ich jetzt zusammen mit meiner Frau Julia und unserem Schokolabrador Theo. Zusammen bloggen wir hier, um unsere Freunde und Familie zuhause auf dem Laufenden zu halten. Ich mag American Football, Basketball und Kraftsport und manchmal versuche ich meiner Kreativität mit Hilfe meiner Kamera freien Lauf zu lassen.