Road Trip mit Hindernissen – Teil 3

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Das erste Ziel auf unserem Heimweg ist das Sixth Floor Museum in Dallas. Das Museum befindet sich in dem Schulbuchdepot von dem aus Lee Harvey Oswald John F. Kennedy erschossen haben soll. Wie der Name schon sagt, befindet sich das Museum im 6. Stock des Gebäudes. Genau von hier aus soll Lee Harvey Oswald geschossen haben. Die Ecke in dem großen Raum, in der er seinen Verschlag aus Buchkartons errichtete, ist von einem Glaskasten umgeben um die Szenerie festzuhalten und vor den Händen der Besucher zu schützen. Die PErspektive des Attentäters kann man aber sehr gut vom Fenster daneben nachvollziehen. Die Videosimulation auf einem Bildschirm unterhalb des Fensters zeigt sekundengenau die Geschehnisse am 22. November 1693. Wir verfolgen wo sich die Fahrzeugkolonne des Präsidenten im Schritttempo entlang bewegt, wann die Schüsse abgegeben werden und wie JFK auf dem Rücksitz des Cabrios getroffen zusammensackt. Ein Bodyguard springt hinten auf das Auto, bevor es beschleunigt und unter der Unterführung aus unserem Blickfeld verschwindet. Irgendwie unheimlich. Ich habe Gänsehaut. Genau hier an dieser Stelle an der ich stehe wurde vor 32 Jahren Geschichte geschrieben.

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Die eindrucksvolle Ausstellung präsentiert viele Fotografien, Ton- und Videoaufnahmen, Zeitungsartikel und viele weitere Gegenstände aus JFKs Zeit und beschäftigt sich mit seinem politischen Leben und seiner kurzen Zeit als Präsident, die mit dem Attentat ein plötzliches Ende fand. In einem weiteren Teil der Ausstellung wird Kennedys Lebenswerk gezeigt mit all den Dingen, die er erreicht hat.

Kennedys Lebenswerk ist, trotz seine kurzen Zeit beeindruckend …

  • Er stärkte den Bildungsbereich immens und führte eine Krankenversicherung für ältere Menschen ein.
  • Er schaffte die Todesstrafe formal ab.
  • Seine Politik legte den Grundstein für das Ende der Rassentrennung.
  • JFK gründete das Apollo-Programm, das nach seinem Tod den ersten Mann auf den Mond schickte.
  • Er stand zu Westdeutschland und verhinderte durch seine Diplomatie einen möglichen Atomkrieg während der Kubakrise.
  • Er gründete das Friedenskorp, indem noch heute Amerikaner freiwillig mindestens zwei Jahre humanitäre Arbeit im Ausland leisten.

Dreißig Minuten nach dem Attentat wurde Kennedy im Parkland Memorial Hospital für Tod erklärt. Bereits eine Stunde später wurde sein Leichnam an Bord der Air Force One gebracht, um ihn nach Washington, DC zu überführen.  Bevor das Flugzeug abhob, genau um 14:38 und fast genau zwei Stunden nach dem Attentat, wurde sein Vizepräsident Lyndon B. Johnson als Präsident der Vereingten Staaten vereidigt. LBJ – ein charismatischer Demokrat aus Texas – führte die Pläne seines engen Freundes fort und erreichte sogar die meisten ihrer gemeinsamen Vorhaben:

  • Einführung einer gesetzlichen Krankenversicherung (der Grundstein von Obamacare!) für alle und Krieg gegen die Armut in Amerika.
  • Das Recht auf Bildung für alle.
  • Die formale Aufhebung der Rassentrennung.
  • Die Ernennung des ersten Afro-Amerikaners zum Bundesrichter.
  • Johnson unterschrieb das bis heute drastischste Gesetz zum Waffenbesitz und zur Waffenkontrolle motiviert durch die Attentate auf John F. Kennedy und Martin Luther King.

Bis heute hat kein Präsident mehr soziale Gesetze eingeführt und unterschrieben als Johnson.

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Julia und ich sind beide große Fans von LBJ. Seine Ranch in der Nähe von Austin haben wir bereits zweimal besucht. Ander Einfahrt bekommt man eine CD mit einem Audioguide, der auf die Minute genau die Gebäude und Sehenswürdigkeiten der Ranch beschreibt. Die Ländereien sind so groß, dass man dabei gut eine Stunde mit dem Auto benötigt bis man am Ziel der Tour, dem weißen Haus von Texas, ankommt. Schwer zu erklären. Solltet ihr die Gelegenheit dazu bekommen, solltet ihr unbedingt dort hinfahren. Wir können es nur empfehlen. Ein paar Informationen dazu gibt es hier.

Wenn man so auf die Leistungen dieser beiden Männer zurückschaut kann man nur erahnen was sie alles gemeinsam hätten erreichen können und wir die Welt wohl heute aussehen würde, wenn die Geschichte anders verlaufen wäre.

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Nach dem Museum machen wir noch einen kurzen Abstecher auf die Straße. An die Stelle wo Kennedy tödlich getroffen wurde. Sie ist mit einem breiten X auf dem Asphalt gekennzeichnet – ungefähr dort wo Theo gerade sitzt.

Danach geht’s zum Pioneer Plaza. Das Denkmal huldigt den ersten Viehtrieben in Texas. Es ist riesig. 49 überlebensgroße Stiere werden von drei Cowboys über einen Hang und einen Bach getrieben. Es ist das größte Bronzedenkmal auf der Welt. Es ist wahr: Everything’s bigger in Texas (Alles ist größer in Texas).

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Am späten Nachmittag verlassen wir Dallas in Richtung Norden. Wir haben ein Zimmer im La Quinta Inn in Sherman, Texas gebucht, unweit von der Grenze zu Oklahoma. Wir fahren noch eine knappe Stunde und unterwegs macht sich ein wenig Angst breit. Hoffentlich wird das Zimmer nicht wieder so eine Katastrophe sein wie das im Motel in Tennessee. Vor allem weil die Übernachtung nicht viel teurer ist. Aber unsere Sorge war umsonst. Das Hotel ist fast neu. Der Empfangsbereich sieht super aus. Das Zimmer ist nicht nur sauber, es ist riesig, fast eine Suite. Kein Vergleich zum Motel vor ein paar Tagen. Wir müssen nicht mal eine Extragebühr für Theo zahlen. Wir sind begeistert.

Gut ausgeruht und gestärkt nach einem ordentlichen Frühstuck geht’s am nächsten Morgen gut gelaunt wieder auf die Straße. Die Route 75 wird uns die nächsten 360 Kilometer durch Oklahoma führen. Allerdings ist diese Strecke nicht Teil einer Interstate sondern führt uns durch Hinterland des Staates, mitten durch etliche Kleinstädte und Dörfer. Oklahoma liegt in der Tornadogasse der USA und wird während der Sturmsaison von über 50 Wirbelstürmen heimgesucht. Glücklicherweise bleiben wir  auf unserer Rückfahrt verschont, dennoch sehen wir immer wieder entlang der Straße was für Auswirkungen diese Naturgewalten haben können. Der Waschsalon hier in Savanna, Oklahoma hatte vor ein paar Tagen nicht die kleinste Chance.

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Die nächsten sechs Stunden Fahrt verlaufen ohne dass etwas besonderes passiert. Nicht einmal die Landschaft prägt sich sonderlich in mein Gedächtnis ein und so habe ich über den Staat nichts weiter zu berichten. Ich bin mir sicher Oklahoma hat auch schöne Ecken. Das was wir zu sehen bekommen ist aber eher trostlos.

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Irgendwann treffen wir endlich auf die große Interstate und können wieder Gas geben. Keine Städte und Ampeln mehr, die unseren Weg kreuzen. Freie Fahrt für freie Bürger.

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Wir erreichen Missouri. Je weiter wir nach Norden kommen desto häufiger sehen wir rechts und links Straßen die unter Wasser stehen. Schilder ragen hier und da aus Flüssen und Seen und lassen nur erahnen, dass dort Straßen und Wege sein müssten. In den Nachrichten der letzten Tage hörten wir immer wieder von Unwettern und Überflutungen im mittleren Weste. Aber ehrlich gesagt haben wir uns keine großen Gedanken darüber gemacht. Das Land ist so groß, dass wir eigentlich wöchentlich davon in den Wetterberichten hören. Wir haben an unserem Reiseplan festgehalten ohne in Erwägung zu ziehen, dass das Wetter uns in irgendeiner Weise einen Strich durch die Rechnung machen könnte.

Circa 80 Kilometer vor St. Louis ist der Highway gesperrt. Die Regenfälle der letzten Tage haben ihn streckenweise komplett überflutet und wie wir später erfahren wird er für die nächsten  Woche nicht mehr befahrbar sein. Eine Umleitung ist bereits eingerichtet und so finden wir uns erneut im Hinterland wieder. Wir folgen einer endlosen Schlange von Autos, die wie wir das Ziel St. Louis haben. Im Radio hören wir, dass große Teilen von Missouri aber auch Illinois unter Wasser stehen. Der Mississippi, der durch St. Louis fließt ist weit über seine Ufer getreten. Selbst der Gateway Arch, das Wahrzeichen von St. Louis an seinem Ufer steht quasi Fluss. Gebietsweise wurde bereits der Notstand ausgerufen. Kurzerhand beschließen wir auf die Übernachtung hier und das Sightseeing zu verzichten. St. Louis ist nur noch knapp vier Stunden von zuhause entfernt. Das ist ja quasi ein Steinwurf.
Ein gute Entscheidung, wie sich später herausstellt, denn auch der Highway auf dem wir gerade fahren wird nur wenige Stunden später unbefahrbar sein. Wir überqueren den Mississippi und wie schon so oft auf unserer Fahrt sind wir am anderen Ufer wieder in einem anderen Staat. Illinois. Das klingt nach zuhause.

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Glücklicherweise sind wir bislang zügig durchgekommen und auch der Umweg vor St. Louis hat uns nicht besonders viel Zeit gekostet. Dennoch ist es mittlerweile richtig finster. Am Himmel können wir keinen Stern und keinen Mond entdecken. Außer der zweispurigen Straße und den Autos, die wir ab und zu überholen sehen wir praktisch gar nichts. Bis wir in Odell ankommen. Plötzlich ist da ein Meer aus roten blinkenden Lichtern. Überall wo wir hinschauen blinkt es im Takt. Wir können nur erahnen wie viele es sind. Und während wir der Straße noch für Meilen folgen sehen wir diese Erscheinungen. Was wir sehen ist die Cayuga Ridge Wind Farm. Auf einer Fläche von 140 Quadratkilometern verteilen sich hier 150 Windräder. Wirklich alles hier in Amerika ist ein Superlativ. Wären wir hier im Tageslicht entlang gefahren hätten wir den Windpark aber wahrscheinlich nicht einmal wahrgenommen. Leider ist es viel zu dunkel und die Fotos die wir von dem Schauspiel machen werden alle nichts. Wir lassen Odell hinter uns und fahren zügig weiter in Richtung Naperville. Aus den überfluteten Feldern und Straßen werden Schneelandschaften. Hier oben kurz vor Chicago sind die Regenfälle ausgeblieben. Stattdessen hat es die letzten paar Tage durchgängig geschneit. Schon verrückt wie viele Gesichter uns das Wetter in nur einer Woche gezeigt hat.

Gegen 22.30 Uhr kommen wir müde aber munter zuhause an. Der Tag war lang aber ich muss sagen, dass das Autofahren hier im Allgemeinen nicht so anstrengend und stressig ist. Kaum jemand rast hier auf den Highways und Drängler die einem auf der Stoßstange sitzen gibt es gar nicht. Niedrige Tempolimits können auch ihren Vorteil haben.

Im August 2015 wurde ich von meiner Firma in die Nähe von Chicago versetzt. Hier lebe ich jetzt zusammen mit meiner Frau Julia und unserem Schokolabrador Theo. Zusammen bloggen wir hier, um unsere Freunde und Familie zuhause auf dem Laufenden zu halten. Ich mag American Football, Basketball und Kraftsport und manchmal versuche ich meiner Kreativität mit Hilfe meiner Kamera freien Lauf zu lassen.