Winter im Chicagoland

chicago heavy snowfall reuters

Ein paar kühle Tage machen noch lange keinen Winter. Das wissen alle Chicagoans – und mittlerweile auch wir. So mild wie der Winter gestartet ist, so fest hat er uns nun mit seinen eisigen Temperaturen und Winden im Griff. Eines ist klar, der Winter im Chicagoland ist eine Lebenseinstellung. Kälte und Schneemassen sowie die Unberechenbarkeit machen die Menschen hier stolz auf diese Jahreszeit. Die Winterzeit ist wunderschön, spannend und spaßig, aber zugleich auch unbarmherzig.

Vom Winter spricht man im Chicagoland erst, wenn

  • Dunst vom Lake Michigan aufgestiegen ist und die Wellen gefroren sind.
  • man sich panisch auf die Suche nach langer Unterwäsche begeben hat.
  • man mindestens einen Handschuh verloren hat.
  • man entsetzt auf seine Heizkostenrechnung blickt.
  • sich auf Straßen und Bürgersteigen eine Eisschicht gebildet hat, die sich nach Wochen schwarz verfärbt.
  • man sich auf eben diesem Eis auf den Bart legt.
  • man mindestens drei Mal Schnee schüppen musste oder ein schlechtes Gewissen hat, weil man andere schüppen ließ.
  • man seinen Nachbarn verflucht hat, weil er seine Auffahrt und den Bürgersteig vor seinem Haus nicht geräumt hat.
  • man schöne Schuhe gegen hässliche Boots eingetauscht hat.
  • man drei Kilo (gerne auch mehr) zugenommen hat.
  • man sich eines Tages vom Scheitel bis zur Sohle hässlich fühlt (fade Haut, Haare, Kleidung etc.).
  • man nichts mehr darauf gibt, wie man eigentlich gerade aussieht – Hauptsache es hält warm.
  • Freunde aus dem Süden von ihrem braunen Teint schwärmen, während man selbst aussieht wie ein Kalkstein.
  • man jenen Freunden versichert, dass man als Chicagoan den Winter liebt, da dieser uns alle härter macht als alle anderen.
  • man nicht einen ganzen Tag im Haus verbracht hat, weil es zu viel Energie gekostet hätte, nach draußen zu gehen.
  • man nicht einen Winterurlaub im Warmen geplant hat oder zumindest nach möglichen Flügen geguckt hat.
  • die Metra und CTA ihre Verspätungen nun endlich auf das Wetter schieben können.
  • man nicht Eislaufen war oder sich über die Leute wundert, die sich wohl möglich noch ihre Knochen auf dem Eis brechen, wenn es doch so einfach ist zu Hause zu bleiben und Netflix zu schauen.
  • man nicht bei Minusgraden (und wir reden hier von Minusgraden in Fahrenheit!!!) aus der Tür gegangen ist und fröhlich gedacht hat „wenigstens scheint die Sonne“.
  • man nicht darüber nachgedacht hat, sich wärmere Handschuhe zu kaufen.
  • das Auto, wie alles andere so dreckig ist, dass es sich nicht lohnt, es zu säubern.
  • die Schlaglöcher so tief wie Krater und so allgegenwärtig wie Ratten sind.
  • man etwas im Schnee verloren hat, das erst im April wieder auftaucht.

Es ist nicht tiefster Winter, solange man nicht einmal geflucht hat, nicht noch einen weiteren Winter hier zu verbringen.

Es ist nicht wirklich Winter im Chicagoland, wenn man nicht kurz vergessen hat, wie sehr man dieses Fleckchen im Sommer liebt, was einer der vielen Gründe ist, warum man bleibt! 😀

(Gefunden auf chicagotribune.com)

Im August 2015 bin ich zusammen mit Oliver in die Suburbs von Chicago gezogen. Ich liebe meinen Green Tea Latte von Starbucks und Orange Chicken vom Chinesen. Ich halte mich im Fitnessstudio fit und gehe gerne auf lange Wanderungen mit meinem Labrador Theo.