Weihnachtszeit in Chicago

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Es ist Weihnachtszeit in Chicago. Viele Häuser sind festlich geschmückt und die opulenten und farbenfrohen Beleuchtungen erstrahlen jetzt jeden Abend. Samstag sind wir in die City gefahren. Unser Ziel war der Christkindl Market. Der „deutsche“ Weihnachtsmarkt auf dem Daley Plaza lockt seit 1997 jährlich fast eine Million Besucher an. Und tatsächlich werden viele Stände von Deutschen betrieben, die extra für diese vier Wochen hier herkommen. Die Stände in diesem Jahr kamen aus München, Stuttgart, Nürnberg, Sachsen und sogar aus Bad Oeynhausen – nicht das Münsterland, aber zumindest OWL.

Zu kaufen gibt es echten deutschen Glühwein, Brat- und Currywürstchen oder handgefertigte deutsche Weihnachtsdekoration und natürlich darf die schwarzwälder Kuckucksuhr auch nicht fehlen. Ich glaube die schmückt heute mehr amerikanische Wohnzimmer als deutsche. Die deutschen Leckereien sind auf dem Weihnachtsmarkt so beliebt, dass man für einen Glühwein oder eine Currywurst gut eine Stunde anstehen muss. Die Schlangen an den Ständen gehen fast einmal rund um den Markt. Wir haben zwar Hunger und haben uns auf einen guten Glühwein mit einem Schuss Amaretto gefreut und auch eine Currywurst hätte unser Heimweh gelindert, aber wir verzichten doch darauf uns ganz hinten anzustellen.

Stattdessen will ich die Gelegenheit nutzen und mal wieder ein paar Fotos schießen. Also machen wir uns – bewaffnet mit Kamera, Objektiven und Stativ – auf den Weg zur Michigan Avenue, der berühmten Einkaufsmeile von Chicago.

Wir kommen an Macy’s vorbei. Das Kaufhaus schmückt seine Schaufenster jedes Jahr zur Weihnachtszeit so aufwendig, dass man Stunden damit verbringen möchte hineinzuschauen und jedes Detail zu entdecken. In diesem Jahr reist Santa Claus mit seinem Schlitten zu den verschiedenen Planeten bevor er an Weihnachten auf der Erde landet. Das Schaufenster mit dem Thema Venus hat uns besonders beeindruckt. Im Kaufhaus selbst steht ein 15 Meter hoher Weihnachtsbaum und im Santaland in der obersten Etage stehen die Kinder Schlange, um dem Nikolaus ihre Weihnachtswünsche zu verraten.

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Weiter geht’s. In der Nachbarschaft steht das berühmte Chicago Theatre mit seiner ikonischen Fassade. Ich bin mir sicher, ihr alle habt die Leuchtreklame schon mal – im Film oder auf Bildern gesehen. Das Theater wurde 1921 eröffnet und gilt als das inoffizielle Wahrzeichen der Stadt.

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Wir setzen unseren Weg auf der State Street fort und überqueren den Chicago River. Vorbei am Trump Tower gehen wir auf das Wrigley Gebäude zu. Unterhalb der Brücke, die die beiden Türme des Komplexes verbindet entdecken wir einen Weihnachtsbaum mit einer markanten roten Schleife.

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Die Michigan Avenue, die „Magnificant Mile“ ist voll mit Menschen, Weihnachtseinkäufer und Touristen. Die Bäume entlang der Straße sind mit Lichterketten verziert und tauchen sie in ein warmes Licht. Die Schaufenster sind zu dieser Jahreszeit besonders schön dekoriert. Wir gehen weiter bis zum Water Tower, einem weiteren Wahrzeichen von Chicago. Der Turm, der 1869 gebaut wurde, besteht aus gelbem Kalkstein und ist eins der wenigen Gebäude, die den großen Brand von 1871 überstanden haben. Er ist eins der ältesten Gebäude der Stadt und der zweitälteste Wasserturm in den USA.

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Es ist eisig. Die Temperaturen sind mild für diese Jahreszeit und auch der gefürchtete Wind bleibt heute Abend aus. Dennoch sind die Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt. Zeit für eine Aufwärmung. In der Hershey’s Chocolate World gönnen wir uns eine heiße Schokolade. Julia entscheidet sich für die Geschmacksrichtung Marshmallow und ich für Mandel. Der Kakao ist dickflüssig, frisch gekocht und heiß. Genau so wünscht man sich so ein Getränk in einer kalten Winternacht. Ein akzeptabler Ersatz für den Glühwein, auf den wir heute Abend verzichten mussten. Aufgewärmt flanieren wir die Einkaufsmeile wieder zurück in Richtung Chicago River und genießen weiter den festlichen Anblick der Stadt.

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Von der anderen Straßenseite mache ich noch ein paar extra Fotos vom Wrigley Building. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf  die Gebäudeteile mit den beiden Brücken, die sie verbinden. Hinter dem vorbeirauschenden Verkehr zwischen den Ampeln steht immer noch der schöne Weihnachtsbaum mit der roten Schleife. Der Strom von Autos ist hektisch und unruhig. Der stille Baum in der Kulisse dieses fast 100 Jahre alten Gebäudes  aber strahlt auf mich eine Ruhe aus. Ich lasse ihn noch ein wenig auf mich wirken und versinke in weihnachtliche Gedanken.

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Noch immer in Gedanken schweift man Blick nach links. Gegenüber sehen wir die vielen Hochhäuser entlang des Flusses. Die Lichter hier unten auf der Straße tauchen auch sie in ein indirektes warmes Licht. Auf dem Platz, auf dem wir gerade stehen, wirkt es nun als wären wir die einzigen Menschen, die in diesem Moment draußen unterwegs sind. Hier ist es auf einmal ganz ruhig. Und fast gelingt es uns den unaufhörlichen Verkehrsstrom zu vergessen.

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Stetig ziehen jetzt Nebelschwaden auf und somit wird auch leider das Fotografieren immer schwieriger. Aber einen letzten Versuch wage ich noch und schieße ein Bild von der Marina City und seinen bunt beleuchteten Balkonen. Die beiden Türme aus dem Jahr 1964 erinnern an abgenagte Maiskolben und sind 65 Stockwerke hoch. Auch sie waren bereits Kulisse unzähliger Hollywoodfilme und Serien. Besonders in den unteren 19 Stockwerken, den Parkhäusern, werden bevorzugt Verfolgungsjagden gedreht.

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Nach diesem Bild packe ich meine Ausrüstung ein. Und ich glaube Julia ist froh, dass ich endlich fertig bin mit der Knipserei und wir uns zum Auto aufmachen. Es ist wirklich kalt und es wird Zeit, dass wir wieder ins Warme kommen. Der Weihnachtsmarkt hat bereits geschlossen. Und jetzt wirken sogar die Straßen leerer als noch vor einer halben Stunde vor dem Wrigley Building. Es scheint fast so als würde auch eine Metropole wie Chicago abends ein wenig zu Ruhe zu kommen.

In diesem Sinne möchte ich euch allen eine schöne Weihnachtszeit wünschen. Nehmt euch einen Moment und kommt zur Ruhe. Schaut einen kitschigen Weihnachtsfilm. Oder lasst euch von einem Weihnachtsklassiker im Radio erheitern. Wenn ihr etwas seht, das besonders schön geschmückt ist bleibt einfach einen Augenblick stehen und verliert einen warmen Gedanken. Es kostet euch nichts.

Those Chistmas lights | Light up the street | Down where the sea and city meet | May all your troubles soon be gone | Oh Christmas lights keep shining on

„Christmas Lights“ von Coldplay

Merry Christmas!

Im August 2015 wurde ich von meiner Firma in die Nähe von Chicago versetzt. Hier lebe ich jetzt zusammen mit meiner Frau Julia und unserem Schokolabrador Theo. Zusammen bloggen wir hier, um unsere Freunde und Familie zuhause auf dem Laufenden zu halten. Ich mag American Football, Basketball und Kraftsport und manchmal versuche ich meiner Kreativität mit Hilfe meiner Kamera freien Lauf zu lassen.