Road Trip entlang der Route 66

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Ich bin eigentlich immer noch dabei den Artikel über die ersten Wochen hier in den USA zu verfassen. Aber ich habe mich entschieden einen kleinen Reisebericht vorzuziehen.
Unsere Freunde Pierre und Marijn sind in dieser Woche zu Besuch und gestern war hier in Amerika ein großer Feiertag – Labor Day. Labor Day wird von den Amerikanern groß gefeiert. Sie verbringen die Zeit mit der Familie und kommen zusammen um ein letztes Mal groß zu grillen und den Sommer zu verabschieden. Für viele Kinder und Jugendliche startet das neue Schuljahr am Tag nach Labor Day. Und für die neue Saison im American Football markiert der Tag den Startschuss.
Der perfekte Anlass um das Land ein wenig zu erkunden.

Route 66

Die historische Route 66 hat ihren Startpunkt mitten in Chicago. Von hier aus führt sie ca. 480 km nach Süden – nach St. Louis in Missouri. Von St. Louis macht die Strecke einen Knick und zieht sich quer durch das Land über 3.500 km bis hin nach Santa Monica in Kalifornien.
Entlang der Strecke in Illinois findet man viele Sehenswürdigkeiten und Kuriositäten. Einige davon haben wir besichtigt.
Wir starten in der Nähe von Bolingbrook – also nicht am Ursprug der Strecke in Chicago. Bolingbrook ist von Naperville schnell zu erreichen und wir haben ja noch eine gewaltige Strecke vor uns.

Blues Brothers – Unterwegs in Namen des Herren

Ein paar Kilometer hinter Bolingbrook verlassen wir die Route 66. Ein kleiner Umweg über Joliet führt uns zum Collins St. Prison. Das stillgelegte Gefängnis, das 1858 von 30 Insassen erbaut wurde hat eine beeindruckende Fassade und Bauweise. Es erinnert an eine mittelalterliche Festung. Kein Wunder, dass es Kulisse für viele bekannte Filme und TV Serien war.

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Der bekannteste Film ist wohl Blues Brothers. Zu Beginn des Filmes marschiert Jake aus dem Tor des Gefängnisses und wird von seinem Bruder Elwood erwartet. Von hier aus machen sie sich „im Namen des Herren“ auf den Weg. Auch Szenen des Filmes Red Heat mit Arnold Schwarzenegger wurden hier gedreht und der große Ausbruch in der Serie Prison Break wurde genau hier geplant und durchgezogen. Nach wenigen Minuten Fahrt teffen wir in Joliet wieder auf den Originalverlauf der geschichtsträchtigen Strecke. Wir folgen ihr in Richtung Pontiac.

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Unser nächster Halt ist der „Gemini Giant“ in Wilmington. Eine knapp 10 Meter hohe Figur aus den 60ern. Diese Figuren wurden „Muffler Man“ genannt. Es gibt keine akkurate Übersetzung dafür, aber man könnte Mechaniker dazu sagen. Muffler bedeutet Auspuff. Die ersten dieser Figuren hatten einen solchen in der Hand und machten am Straßenrand Werbung für Werkstätten. Diese Kunstofffiguren waren in dieser Epoche sehr beliebt und hielten später neben Auspuffen alles Mögliche in den Händen: z.B. Hot Dogs, Äxte und mehr. Um den Fortschritt in der Raumfahrt zu jener Zeit zu huldigen hält dieser eine Rakete in den Händen.

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Wir folgen der Route 66 wieder in Richtung Pontiac und fahren auf der alten holprigen Straße parallel zum neueren vierspurigen Highway I55.
Immer wieder wandern unsere Blicke durch die endlos wirkende Prairie. Auch der Asphaltweg der vor uns liegt schlängelt sich ohne erkennbares Ziel in den Horizont. Nach einigen Kilometern erreichen wir Dwight und landen im Jahr 1933.

Zeitreise in die Vergangenheit

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Die Ambler Texaco Gas Station scheint als hätte sie gerade erst eröffnet und würde sich darauf vorbereiten die vielen Reisenden auf der Strecke zu bedienen. Die kleine Tankstelle ist ein Schmuckstück und man kann gar nicht glauben, dass man hier noch bis 1999 sein Auto betanken konnte. Wir treffen eine sehr nette ältere Dame, die uns Geschichten von den Besitzern erzählt und uns in der kleinen Autowerkstatt herumführt. In der Werkstatt können wir uns mit Stecknadeln auf Landkarten verewigen und sehen, dass dies bereits Menschen von überall auf der Welt vor uns getan haben.

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Aus der gleichen Zeit stammt auch die kleine Tankstelle in Odell, an der wir einige Kilometer später halten. Die Standard Oil Gasoline Station liegt inmitten des 1.000 Einwohner großen Dorfes. Vor dem Häuschen steht eine Zapfsäule aus den 30 Jahren. Hier musste man das Benzin noch händisch in den Tank pumpen. Das Glas obendrauf hat eine Mengenanzeige. Aufgrund einer Umleitung der Route 66 in den späten 40er Jahren waren die Geschäfte dieser Tankstelle nicht so erfolgreich. In den 60er Jahren wurde sie geschlossen und brannte in den 1970ern nieder. Nach Wiederaufbau und langer Restaurationsdauer wurde sie 1997 in das Nationale Verzeichnis Historischer Denkmäler aufgenommen. In dem Häuschen ist ein Souvenirshop.

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Odell Selfie

Und wie man sieht empfehlen der deutsche und der holländische Route-66-Verein die Tankstelle.

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Weiter geht es nach Pontiac – knapp 15 Minuten Fahrt zwischen Prairie und Feldern. Hier und da kommt uns mal ein Auto entgegen. Sonst spielt sich das meiste auf der I55 ab, die weiterhin neben uns entlang läuft.

Route 66 – ein Lebensgefühl

Pontiac ist das Mekka der Route 66 Begeisterten in Illinois. Hier ist die Route 66 Hall of Fame und überall in der Stadt verteilt findet man Wandgemälde rund um das Automobil und den Mythos Highway.

Pontiac Wandbild

Julia und ich schnappen uns Theo und unternehmen einen Spaziergang mit dem Hund. Leider bei 35 Grad kein besonderes Vergnügen. Pierre und Marijn sehen sich im Museum um.
Der Eintritt im Museum, bzw. in der Hall of Fame ist kostenlos und zeugt von dem Stolz der Menschen auf dieses Kapitel in der amerikanischen Geschichte.

Die Route 66 ist für die Amerikaner das Sinnbild für Aufbruch. Aufbruch für eine Chance. Chance auf Veränderung. Chance auf etwas Besseres. Bis in die späten 60er nutzen Millionen Amerikaner den „American Highway“ um vom Chicago in den Westen zu kommen. Sei es nach Texas. Arizona. Oder Kalifornien. Die Strecke verband die Kleinstädte und war ihr erster Zugang zu einer Hauptstraße. Entlang des Weges gründeten mutige Menschen ihre ersten Geschäfte. Am Anfang Tankstellen und Restaurants, später Motels. Somit führte der Aufbruch für viele zu Wohlstand und Wachstum.
Viele Menschen entlang der Route 66 arbeiten in den Museen oder Sehenswürdigkeiten, um den Touristen und Reisenden Geschichten von früher zu erzählen und die Stimmung am Leben zu erhalten.
Nach Pontiac heißt unser neues Ziel Springfield und wir setzen unsere Reise in Richtung Süden fort. Wieder folgen wir der Strecke. Langsam verändert sich das Landschaftsbild wird von Maisfeldern dominiert. Wir sind eben im Corn Belt – dem Maisgürtel der USA.
In Atlanta treffen wir auf den Bruder des Gemini Giant – Tall Pall der Bunyon Giant. Bevor er hier in Atlanta seine Rente antrat stand der Riese in Cicero und machte von 1965 bis 2003 Werbung für einen Imbiss. Dafür kaufte der damalige Imbissbesitzer einen Muffler Man in Kalifornien. Dieser hielt eine Axt in der Hand und trug Arbeitsmontur. Er ließ ihm neue Kleider verpassen und die Axt durch einen Hot Dog ersetzen. Das Restaurant war 40 Jahre lang in Familienbesitz und als es 2003 schloss willigte die Familie ein Tall Pall als Leihgabe an der Route 66 zu belassen. Seitdem steht er in Atlanta.

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Am Ortsausgang holen wir uns ein Lächeln beim Smiley Face Water Tower ab.

Illinois – Das Land von Abraham Lincoln

Wir erreichen Lincoln, eine weitere Kleinstadt entlang der Strecke, mit einer weiteren Attraktion. Hier steht ein Riesenplanwagen (Der größte der Welt laut Guinness Buch der Rekorde). Vorne auf der Bank der Kutsche sitzt Abraham Lincoln und liest in seinen Gesetzestexten. Dieses „Denkmal“ wurde von David Bentley in Eigenleistung gebaut. Er erkrankte im Jahre 2001 schwer und sah es als Zeitvertreib während seiner Reha-Phase.

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Auf halber Strecke zwischen Lincoln und Springfield kehren wir bei einem Diner ein. Er ist wohl berühmt für seine Waffel-Burger. Das Bild auf der Karte präsentiert uns einen Mix aus Spiegeleiern, Würstchen, Hash Browns und einer Menge Ahornsirup zwischen zwei Waffeln. Ich glaube wir haben gerade die Ursache für Adipositas entdeckt. Wir Jungs entscheiden uns für Hamburger. Julia nimmt einen Chickenburger. Sie sind alle verbrannt. Wenigstens konsequent. Vielleicht hätten wir doch die Waffeln nehmen sollen.

Wir erreichen Springfield und folgen den Schildern zum „The Lincoln Tomb and War Memorials State Historic Site“ – die Ruhestätte von Abraham Lincoln. Die Straße führt durch einen großen alten parkähnlichen Friedhof. Jahrhunderte alte Grabsteine und Gruften, die an Vampirfilme erinnern, bauen sich neben uns auf. Dann sehen wir vor uns eine große steinerne Säule.

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Das Grab von Abraham Lincoln. Es ist ein beeindruckendes Monument. Hier wurde der 16. Präsident der USA gemeinsam mit seiner Frau und drei seiner Söhne zur Ruhe gelegt. Vor dem Eingang der Grabesstätte ist eine Bronze des Präsidenten – angeblich bringt es Glück seine Nase zu berühren und wie man sieht haben das schon viele vor uns getan. Es kann ja nicht schaden. Auch wir streichen Abe über sein markantes Riechorgan.

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Hinter dem großen Grabmal, den Hügel hinunter liegt die Gruft in der Lincoln zwischenzeitlich bis zur Fertigstellung seines endgültigen Grabes untergebracht war. Dessen Bau hat drei Jahre gedauert. Zur Errichtung wurde Marmor aus Minnesota, Massachusetts, Arkansas, Utah aber auch aus Italien, Spanien, Frankreich und Belgien verwendet.

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Kopfsteinpflaster in Handarbeit

Bevor wir den Heimweg antreten entscheiden wir uns für einen kleinen Umweg. In Auburn gibt es noch einen kleinen Teil der Route 66 im Originalzustand von 1932. Dieses knapp 2.5 km lange Teilstück ist rot gepflastert und wurde damals in Handarbeit von den Bauarbeitern verlegt.

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Nach der letzten Fotosession für heute geht es zurück nach Aurora. Es liegen nochmal dreieinhalb Stunden Fahrt vor uns. Wenn wir zuhause ankommen haben wir heute knapp 700 Kilometer zurückgelegt.

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Im August 2015 wurde ich von meiner Firma in die Nähe von Chicago versetzt. Hier lebe ich jetzt zusammen mit meiner Frau Julia und unserem Schokolabrador Theo. Zusammen bloggen wir hier, um unsere Freunde und Familie zuhause auf dem Laufenden zu halten. Ich mag American Football, Basketball und Kraftsport und manchmal versuche ich meiner Kreativität mit Hilfe meiner Kamera freien Lauf zu lassen.