Vorbereitung ist alles …

Airplane Sunset

… oder warum manchmal doch nichts so läuft wie geplant

Wir sitzen im Flugzeug und sind auf dem Weg nach Chicago. Gerade fliegen wir über Island und genießen eine beeindruckende Sicht. Bis zur Landung sind es noch gut 4 Stunden.

Eine gute Gelegenheit die letzten Wochen zusammenzufassen.

Bis zum unserem letzten Besuch in Naperville lief eigentlich noch alles planmäßig, doch schon kurz darauf wurde klar, dass wir den Abflugtermin nicht einhalten würden.

Das Visum war noch nicht da. Besser noch, es war noch nicht einmal in greifbarer Nähe. Leider hatte meine Firma ein paar Fristen verpasst und wichtige Unterlagen nicht eingereicht. Der Antrag lag also noch auf dem Stapel irgendeines Beamten bei der Einwanderungsbehörde.

Irgendwann haben wir uns also dazu entschlossen unseren Flug umzubuchen. Der 29. Juli war gestorben. Neues Flugdatum der 13. August.

Zwei Wochen länger für den ausstehenden Papierkram. Hoffentlich reicht das.  Am 23. Juli war endlich alles erledigt. Zeit um den Interviewtermin beim US Konsulat in Frankfurt zu vereinbaren. Dafür geht man online und füllt einen Fragebogen aus. Bevor wir den aber absenden durften hat unsere Beraterin in Kanada noch einen Blick drüber geworfen. Wieder verstrichen ein paar Tage. Dann die Bestätigung: Unser Interview würde am 4. August um 9.30 stattfinden. Was man allerdings wissen sollte: 9.30 ist keineswegs die Uhrzeit vom Interview sondern die ungefähre Einlasszeit für das Konsulat. Im Endeffekt war die Uhrzeit völlig bedeutungslos!
Wann man endlich dran kommt ist quasi purer Zufall.

Gegen 9.00 Uhr waren wir da. Also erstmal in der langen Schlange auf dem Parkplatz anstellen. Naja – das Wetter ist ja wenigstens gut. Da kriegen wir noch ein bißchen Teint. Nach ca 30 Minuten gelangen wir am ersten (!!!) Fenster an. Hier überprüft man unsere Reisepässe und verlangt die Einladungsbestätigung für das Interview. Nachdem alles korrekt erscheint erhalten wir ein Ticket mit einer großen Nummer. Irgendwie alles wie am Kartenschalter im Zoo.
Als nächstes heißt es wieder anstellen; Sicherheitskontrolle Nummer 1: Taschen leeren und alles in einen durchsichtigen Beutel packen. Ein Sicherheitsbeamter (der einen leicht gestressten Eindruck macht) überprüft den Inhalt und schickt uns weiter zur nächsten Schlange wo wir uns hinter anderen Einwanderungswilligen einreihen.
Ziel: Sicherheitskontrolle Nummer 2. Nun wurden unsere Mitbringsel wie am Flughafen durchleuchtet und wir müssen durch den obligatorischen Scanner gehen. Um aber ganz auf Nummer sicher zu gehen werden wir besser nochmal abgetastet. Auch diese Etappe meistern wir mit Bravour!

Wir folgen dem Strom und marschieren über einen Platz in das nächste Gebäude und welch Überraschung die nächste Reihe von Menschen erwartet uns. Wir stellen uns einfach wieder an. An einem Empfang stehen ein paar freundliche junge Menschen und begrüßen uns. Sie überprüfen unsere Pässe und ein zwei Dokumente. Dann schicken sie uns ans Ende der nächsten Schlange nur etwa zwei Meter entfernt.  Nach einigem Warten werden wir an ein Fenster gerufen (das zweite an diesem Tage). Auf Aufforderung zeigen wir wieder mal unsere Pässe – man weiß ja nie! Wir hätten sie ja bei der ganzen Anstellerei vertauschen oder womöglich verlieren können. Außerdem bittet uns der gute Herr unsere Fingerabdrücke abzugeben. Eins der vielen weiteren Dokumente die wir präsentieren behält er ein und schickt uns zum dritten Fenster weiter. Aber natürlich nicht ohne dass wir uns erneut hinten anstellen. Klar! Und täglich grüßt das Murmeltier!
An diesem Fenster empfängt uns eine wirklich nette Frau. Sie hält etwas Smalltalk mit uns und sichtet währenddessen unsere Pässe und einige andere Dokumente (so langsam frag ich mich, warum hier jeder unsere Pässe überprüft!?). Vorsichtshalber nimmt auch sie nochmal unsere Fingerabdrücke. Man weiß ja nie. Dieses Mal behält sie die Unterlagen und bittet uns im Wartebereich Platz zu nehmen. Hier werden wir gut zwei Stunden warten. In dieser Zeit schauen wir uns die Leute an. Wir sehen Menschen, die sich aus tiefstem Herzen über ihr Visums freuen und einem neuen Lebensabschnitt entgegen sehnen. Andere werden abgelehnt oder müssen mehrfach vorsprechen. Hier sehen wir auch viel Trauer und geplatzte Träume. Bei vielen dauert das Interview 15 – 20 Minuten, bei anderen wiederum geht’s ganz schnell. Gegen Mittag wird unsere Nummer aufgerufen. Auf zu Fenster Nummer 4 (unserem letzten für heute). Dort wartet wieder eine sehr nette Frau auf uns. Sie fragt mich, was meine neuen Aufgaben in den USA sein werden und wo genau wir wohnen und arbeiten werden. Ich antworte kurz und knapp. Das Gespräch dauert ungefähr 2 1/2 Minuten und endet mit:

Your Visas have been approved.

Uns fällt ein Stein vom Herzen. Endlich ist es sicher – wir ziehen in die USA! Und das schon nächste Woche!!

Was soll jetzt noch schief gehen? … Hmmm ….

Wann kommt eigentlich das Umzugsunternehmen?

Stimmt … wir haben schon lange nichts mehr von denen gehört. Ich ruf gleich mal an. Die Dame am Telefon, mit der ich in den letzten Wochen schon öfter gesprochen, habe klingt irgendwie überrascht. Etwas überrumpelt. Sie sagt mir, sie prüfe die Aufträge und melde sich dann wieder bei mir. Na gut! Wir warten. Mittwoch Nachmittag ruft sie mich an: „Herr H. der einzige freie Termin, den wir noch haben, ist morgen früh um 8 Uhr. Passt das?“ Ich stottere irgendwas wie: „Ja – wenn das die einzige Möglichkeit ist“ und lege auf. Jetzt schnell nach Hause Klamotten packen. Da ich am nächsten Morgen arbeiten muss leitet Julia den Umzug alleine und kommandiert die Möbelpacker wie ein General auf dem Feld. (Anm. d. Redaktion: Diese Bemerkung basiert nicht auf Tatsachen und entspringt einzig und allein aus meiner Fantasie.)

An den restlichen Tagen in Deutschland wechselten sich Stress und Hektik mit Ruhe ab. Immerhin war noch Zeit für zwei drei Abschiedsgrillen bei uns im Garten. Auch das große Unwetter, zwei Tage vor unserem Abflug, haben wir trocken überstanden – im Gegensatz zu unseren Nachbarn, deren Keller unter Wasser standen.

Gestern Abend haben wir die letzten Dinge erledigt uns sogar nochmal das Efeu im Garten geschnitten. Heute morgen sind wir um 5 Uhr aufgestanden und haben in (Un-)Ruhe unsere letzten Sachen gepackt. Bis uns Julias Eltern abgeholt haben und wir gemeinsam zum Flughafen gefahren sind. Ich freue mich, dass wir noch einen recht schönen gemeinsamen Vormittag am Flughafen verbracht haben.

Und jetzt?

Jetzt sitzen wir auf Platz 2h und Platz 2k. Gerade kommt die nette Flugbegleiterin und deckt den Ausklapptisch an unseren Sitzen mit einer kleinen weißen Tischdecke. Ich glaube ich entscheide mich für den Gemüse-Ingwereintopf mit Hähnchen und genieße dazu einen Weißburgunder. Als Dessert nehme ich den Blaubeerstreuselkuchen mit Sahne. Klingt irgendwie nicht nach dem normalen Flugzeugstandardfraß aus der Aluschale, oder? Stimmt! Heute essen wir á la Carte.  Beim Check-in heute morgen wurden wir in die Businessclass upgegradet. Nach all den Strapazen der letzten Wochen freuen wir uns über diese Überraschung und genießen den Flug. Soweit wir können. Theo reist in seiner Transportbox eine Etage unter uns. Etwas aufgeregt sind wir schon. Aber bestimmt geht alles gut!

Im August 2015 wurde ich von meiner Firma in die Nähe von Chicago versetzt. Hier lebe ich jetzt zusammen mit meiner Frau Julia und unserem Schokolabrador Theo. Zusammen bloggen wir hier, um unsere Freunde und Familie zuhause auf dem Laufenden zu halten. Ich mag American Football, Basketball und Kraftsport und manchmal versuche ich meiner Kreativität mit Hilfe meiner Kamera freien Lauf zu lassen.