Liebe auf den zweiten Blick

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Julia und ich haben uns gestern Abend unterhalten.  Jaa …. das tun wir noch, obwohl wir verheiratet sind. Kleiner Scherz. Wir redeten über die bevorstehenden Ereignisse. Und bei uns beiden steigt die Vorfreude mit jedem Tag mit dem wir uns der Abreise nähern.

Ein schlechter Start

Ehrlich gesagt war meine allererste Berührung mit Chicago keine besonders tolle.
Wir waren damals zum ersten Mal in Texas. Der Name Texas, müsst ihr wissen, kommt aus dem Indianischen und bedeutet Freunde. Und diese Bedeutung scheint tief in den Texaner verwurzelt zu sein. denn die meisten die wir trafen und in all unseren Besuchen kennenlernten waren gastfreundlich, warm und herzlich. Wir waren also in Texas und hatten eine wunderbare Zeit. Auf unserem Rückflug hatten wir einen Zwischenstop in Chicago und ein paar Stunden Zeit. Also ging ich zu McDonalds und bestellte mit ein Menü, zu dem ich eine Dr. Pepper orderte. Die Frau hinter dem Tresen sah mich Wut entbrannt mit weit aufgerissenen Augen an und konterte laut: „Sieht es aus als hätten wir hier Dr. Pepper!?“ SCHOCK!! Sie war wohl nicht aus Texas – so viel war klar. Und für mich hatte sich Chicago erledigt.

Auch die zweite Berührung mit Chicago war nicht besser.
Ich war mit zwei Kollegen auf Dienstreise. Vor unserem Heimflug hatten wir noch ein paar Stunden Zeit. Also was tun? Natürlich ab Downtown. Also sind wir mit unseren Koffern in die Bahn gestiegen. An einem der Stops im Zentrum stiegen wir aus und machten uns mit der Umgebungskarte vertraut. Ein netter Herr kam zu uns und bot uns seine Hilfe. Wir wollten zur Magnifcent Mile und was für ein Zufall die lag genau auf seinem Weg. Also folgten wir ihm. Er legte ein Tempo vor, mit dem er medallienwürdig an jedem olympischen Walking-Wettbewerb teilnehmen könnte. Ich mit meinen langen Beinen konnte aber einigermaßen mithalten. Sebastian und Pierre allerdings verloren langsam an Boden. Während wir da so „gingen“ verriet er mir von seinem Glauben an Gott und dass alles Gute was man täte sich für einen auszahlen würde. Aha!! Langsam dämmerte es mir. Der wollte Geld. An der Magnificent Mile angekommen – mittlerweile hatten wir mehrere hundert Meter Vorsprung – fragte mich also endlich nach ein paar Dollar für den Bus. Na gut! Ich gab ihm 5$ und sagte er solle Leine ziehen. Was er tat. Ich sah allerdings nicht, dass er zu den anderen  beiden ging: „Hey! Der Typ hat mir gerade 5$ für meine Hilfe gegeben, ich krieg noch Geld von euch!“ Völlig überrumpelt zog auch Sebastian 5$ aus der Tasche. Pierre hatte allerdings nur noch einen Zwanziger „Sorry, ich hab leider nix klein“ entgegnete er unserem Fremdenführer. Geistesgegenwärtig sah der auf das Geld in seiner Hand, wies darauf hin, dass er wechseln könne, riss Pierre den 20er aus der Hand und ersetzte ihn mit den beiden Fünf Dollar Scheinen. Daraufhin machte er sich schleunigst aus dem Staub.
Den Rest des Tages vertrauten wir niemandem mehr und kämpften auf eigene Faust durch den Großstadtdschungel.

Manchmal zählt auch der zweite Eindruck

Seit meinem ersten Blogpost hier – also seit dem der Countdown bei „x – 100 Tage“ begonnen hat verliebe ich mich immer mehr in Chicago. Aber warum eigentlich?

Zum einen setze ich mich immer mehr mit Chicago auseinander. Ich lese viel in Artikeln. Ich habe ein paar Blogs über Chicago und die Gegend abonniert. Und wir haben bereits viele nette und tolle Menschen kennengelernt. Zum anderen entdecke ich viele Gemeinsamkeiten mit uns hier im Münsterland. Die Menschen sind sehr individuell. Sie haben eine rauhe Schale aber einen weichen Kern. Und viele sind erst auf den zweiten Blick liebenswert. Aber dann möchte man sie nicht mehr missen. Ob ich jetzt über Chicagoans oder Westfalen geschrieben habe könnt ihr für euch selbst entscheiden.

Was Chicago noch liebenswert macht sind vielleicht auch die vielen einzigartigen Geschichten, wie z.B. die über den Fluch von Billy the Goat über den ich bereits geschrieben habe.

Gerade erst habe ich in einem Youtube-Video über das Design von Städte-Flaggen gesehen und Nein! Es war nicht Fun with Flags with Sheldon Cooper. Als Beispiel für ein nahezu perfektes Design wurde die Flagge von Chicago gezeigt. Und die Überlegungen zum Design finde ich wahnsinnig interessant,
Die Flagge besteht aus 3 weißen Streifen, die unterbrochen werden von 2 blauen Streifen. Zentriert auf dem mittleren weißen Streifen sieht man vier rote Sterne mit jeweils sechs Zacken. Jedes dieser Elemente repräsentiert etwas:

  • Die drei weißen Streifen stehen für die drei Seiten der Stadt: Norden, Westen und Süden.
  • Die beiden blauen repräsentieren das Wasser das Chicago Grenzen setzt. Der Lake MIchigan und der Chicago River.
  • Jeder einzelne Stern steht für ein besonderes Ereignis:
    • Der erste steht für das „Fort Dearborn Massacre“, wo während des Krieges von 1812 fast alle Soldaten und Angehörige von den Potawatomi Indianer umgebracht wurden. Das Fort wurde wieder errichtet und in seiner unmittelbaren Nähe wurde einige Jahre später die Stadt Chicago gegründet.
    • Der zweite Stern symbolisiert das große Feuer von 1871, das den größten Teil der Stadt zerstörte.
    • Der dritte und vierte Stern stehen für die beiden Weltausstellungen 1893 und 1933 in Chicago. Beide leiteten eine neue Zeit des Wohlstandes, der Entwicklung und der Auferstehung für Chicago ein.

Wer hätte gedacht, dass so viel Bedeutung und Geschichte in wenigen Symbolen stecken kann?

Oliver macht blau!

I really wanted to capture as much of Chicago as I could. Not just in Architecture and landscape, but the spirit.
(John Hughes | Regisseur | Produzent)

Ferris macht blau! ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme seit meiner Kindheit. Ich hab ihn erst neulich wieder gesehen und schon schlug mein Herz höher. Im Grunde geht’s darum, dass Ferris zusammen mit seinem besten Kumpel Cameron und seiner Freundin Sloane Schule schwänzt. Sie fahren mit dem Oldtimer Ferrari von Camerons Dad nach Chicago und verbringen den Tag in den Landmarks der Stadt. John Hughes wollte das Lebensgefühl in Chicago einfangen und es ist ihm gelungen!Ferris1

Zu wissen, dass wir bald auf Ferris Spuren wandeln ist super! Ich bin mir nicht sicher, ob man alles an einem Tag nachmachen kann, aber es wird mit Sicherheit Oliver H.’s Day Off geben! [OH YEAH! Chick chicka chicka .. Bow wow]

Sears Tower, Chicago Mercantile Exchange, Wrigley Field, Art Institute of Chicago und CHEZ QUIS (!!!!) – ICH KOMME!!!!
Wer mit den letzten Zeilen nichts anfangen kann, dem möchte ich Ferris macht blau! ans Herz legen! Ernsthaft! Gucken!!!!

Abschließend habe ich noch ein Zitat gefunden. Und das liefert mir den besten Grund Chicago jetzt schon zu lieben und mich darauf zu freuen dort bald hinzuziehen! Wird Chicago vielleicht mehr als nur eine kleine Episode in unserem Leben?

That first moment when you know conclusively, if you just moved here or even if you’ve lived here all of your life, that you are home. That no matter how much Chicago might piss you off sometimes, it’s your city.
(Nico Lang | Journalist | Chicagoan)

 

Nun geht es also weiter mit den Vorbereitungen. Die ersten Gespräche liefen bereits mit den deutschen und amerikanischen Steuerberatern, die unsere Steuererklärungen übernehmen werden. Bald müssen wir uns schon Gedanken über die Möbel und Klamotten machen, die wir mitnehmen wollen und die, die in Deutschland bleiben werden.

Es ist aufregend und auch ein bißchen beängstigend Freunde und Familie hinter sich zu lassen. Wir werden viele besondere Ereignisse nicht miterleben können.Und mit Sicherheit ist es nicht immer möglich regelmäßig Kontakt zu halten. Aber wir werden es versuchen. Ich persönlich bin eigentlich jemand der sich sehr gerne in seiner Komfortzone bewegt. Ich mag zwar Veränderungen, aber die gerne langsam und in kleinen Portionen. Jetzt steht eine riesige Veränderung vor uns und das macht einem natürlich etwas Angst. Aber ich bin froh in einer tollen Beziehung zu sein und eine großartige Frau an meiner Seite zu haben. Zusammen mit Julia wird das ein Klacks.

Ich freue mich!

Im August 2015 wurde ich von meiner Firma in die Nähe von Chicago versetzt. Hier lebe ich jetzt zusammen mit meiner Frau Julia und unserem Schokolabrador Theo. Zusammen bloggen wir hier, um unsere Freunde und Familie zuhause auf dem Laufenden zu halten. Ich mag American Football, Basketball und Kraftsport und manchmal versuche ich meiner Kreativität mit Hilfe meiner Kamera freien Lauf zu lassen.