Zurück in den Süden

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Die Bude ist leer. Der Urlaub von Familie S. ist vorbei und die Zeit ist gekommen, dass Kai, Melli und Lilly die Heimreise antreten müssen. Und auch Julia wird die nächsten 3 Wochen in der deutschen Heimat verbringen. Theo und ich sind alleine. Daran muss ich mich auch erstmal gewöhnen. Schließlich waren wir jetzt fast 9 Wochen lang Großfamilie mit allem was dazu gehört, inklusive Baby und Hund. Nach einem kalten Entzug ist mir gar nicht. Komme ich jetzt überhaupt mit totaler Stille im Haus klar? Die Entscheidung ist schnell gefallen. Ich setze alle meine Exmitbewohner (inklusive Julia)  am Flughafen ab und mach mich von dort aus auf den Weg nach San Antonio. Ich hab noch ein paar Urlaubstage zu Verfügung und das Wetter in Texas ist sowieso besser als hier. Bei uns regnet es schon seit Tagen fast ununterbrochen.

Das Motto dieses Trips lautet Männerurlaub, das heißt Cowboys, Schießen, BBQ, River Rafting und Camping in der Wildnis. Oh ja! Hoffentlich werde ich nach der Woche nicht zum Trumpwähler.

Echte Kerle

Ich habe meine Route so geplant, dass ich dieses Mal Oklahoma durchqueren werde. Beim Roadtrip mit Hindernissen habe ich mich noch gefragt, ob Oklahoma überhaupt schöne Ecken hat oder ob der Staat eine einzige Einöde ist. Jetzt werde ich nicht enttäuscht. Tulsa und Oklahoma City (oder wie man hier sagt OKC) präsentieren sich mit ihren Skylines und die Landschaft in Richtung Süden bietet wunderschöne Panoramen. Ich sollte auf dem Rückweg etwas mehr Zeit in OKC verbringen.

Die Tage in Texas verlaufen wie geplant und sind kurzweilig. Alfredo und ich lassen es gemütlich angehen. Ohne Hektik. An einem Tag fahren wir zum Schießstand, am nächsten zum River Guadalupe wo wir uns zwei Stunden lang auf Schwimmreifen im Wasser treiben lassen. Den Sonnenbrand den ich mir an dem Tag geholt habe merke ich übrigens heute noch.

Dann geht’s für zwei Tage nach Austin zu Alfredo’s Bruder Robert. Zm Abschluss liegt ein Abstecher zum Barbecue-Capitol  von Texas an.

Lockhart hat gerade mal zwölftausend Einwohner aber es beheimatet vier international ausgezeichnete Grillrestaurants die mehr als 5000 Gäste pro Woche aus allen Ecken des Landes anlocken. Jedes Jahr kommen mehr als 250 000 Menschen in die Kleinstadt um sich bei Black’s, Chisholm, Kreuz oder Smitty’s mit Gegrilltem die Bäuche vollschlagen wollen.

Cowboys und Indianer

Von Austin aus geht es los nach Oklahoma City. Die Fahrt dauert knapp 6 Stunden und ich komme gegen Mittag dort an.

Die erste Station ist die Cowboy Hall of Fame. John Wayne, Clint Eastwood Roy Rogers, Gene Autry und sogar Tom Selleck und Ronald Reagan sind hier verewigt.

Aber am beeindruckendsten ist die riesige Statue gleich in der Eingangshalle des Museums.

Die Skulptur heiß “The End of the Trail” – was vielleicht am besten übersetzt werden kann mit “Das Ende des Weges.” Auf dem Rücken des Pferdes sitzt ein in sich zusammengesackter Indianer, am Ende seiner Kräfte, nur einen kurzen Moment bevor das Pferd vor einem unsichtbaren Abgrund stoppt und ihn abwirft. Das Ende des Weges für die vielen tapferen und stolzen Krieger die ihr letztes gaben, um ihre Kultur und ihre Völker zu beschützen. Der Künstler James Earl Fraser schuf das Kunstwerk 1915 nachdem er die Unterwerfung und endgültige Niederlage der indianischen Stämme in Nordamerika miterlebte. Während das Motiv bei uns weitestgehend unbekannt ist ist es eins der berühmtesten Motive in den USA.

Für heute habe ich noch drei weitere Stationen eingeplant, für die ich das restliche Tageslicht nutzen möchte. Station eins ist das Oklahoma Land Run Monument.

Am 22. April 1889 fiel der Startschuss für ein Wettrennen der kuriosesten Art. 50.000 Menschen rasten in die Steppe in der Hoffnung auf ein Stück eigenes Land.

Zuvor hatte die amerikanische Regierung die Indianer um ca. 8.000 Quadratkilometer Land gebracht von denen sich jeder Teilnehmer einen halben Quadratkilometer sichern konnte, vorausgesetzt er bewirtschaftete das Grundstück und lebte dort. Insgesamt 45 überlebensgroße Figuren zeigen Szenen aus diesem Rennen.

Ich hab ein gemischtes Gefühl im Bauch. Das Leid der einen war Hoffnung und Neuanfang für die anderen. Und auch die zweite Station werde ich mit Schwermut besuchen.

Das Attentat von Oklahoma City

Am 19. April 1995 wurde in Oklahoma City der zweitschwerste Terroranschlag nach 9/11 verübt. Zwei Rechtsextremisten zündeten eine Autobombe vor einem Regierungsgebäude. Das Gebäude wurde komplett zerstört. Dreihundert weitere beschädigt. 168 Menschen kamen dabei ums Leben, mehr als 800 wurden verletzt. An genau dieser Stelle befindet sich heute eine Gedenkstätte.

Sie besteht aus einem langen reflektierenden Becken an dessen Enden zwei Tore stehen. Ein Tor zeigt die Uhrzeit 9:01, das andere 9:03. Der Pool dazwischen symbolisiert den Moment der Explosion.

Auf der Südseite, dem Pool zugewandt, stehen 168 leere Stühle, angeordnet nach den Stockwerken in denen sich die Opfer befanden.

Auf der gegenüber liegenden Seite steht der “Überlebende Baum”, wie durch ein Wunder blieb er von der Explosion unversehrt, obwohl er mitten im Zentrum stand.

Ich nutze den Sonnenuntergang für ein paar Fotos.

Regierungsitz mit Ölbrunnen

Anschließend geht es zur letzten Station für heute: Das State Capitol von Oklahoma, also der Regierungssitz des Bundesstaates. Und hier hat die Stadt eine weitere Kuriosität auf Lager: Unter dem Regierungstrakt befindet sich ein gigantisches Ölfeld in dem nach wie vor Öl gefördert wird. Das historische Gebäude ist umringt von Bohrtürmen und Förderanlagen.

Mittlerweile ist die Sonne untergegangen. Ich mache noch eine letzte Nachtaufnahme und dann geht’s zum Hotel.

Ein kleiner Vorgeschmack auf die Wahlen

Ich parke neben einem Pick-up Truck. Als ich auf das Seitenfenster schaue sehe ich den folgenden Spruch: “Hillary (Clinton) muss gehängt werden. Trump oder Revolution” Noch sind die Wahlen ein paar Monate entfernt, aber mir schwant nichts Gutes.

Ach ja. Dann war da ja noch der missglückte Campingversuch. Aber von dem erzähl ich später mal.

Im August 2015 wurde ich von meiner Firma in die Nähe von Chicago versetzt. Hier lebe ich jetzt zusammen mit meiner Frau Julia und unserem Schokolabrador Theo. Zusammen bloggen wir hier, um unsere Freunde und Familie zuhause auf dem Laufenden zu halten. Ich mag American Football, Basketball und Kraftsport und manchmal versuche ich meiner Kreativität mit Hilfe meiner Kamera freien Lauf zu lassen.